Geschichte - Waldstüble

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Geschichte


Eigentlich ist das Waldstüble im Volksmund unter den Wehrern nur als  "Schneckezucht" bekannt. Das geht zurück auf Karl Gallmann, den alle nur " Schneckekarle" nannten. Er war das jüngste von 6 Kindern, des v. Schönauischen Forstwarts Gallmann von Niederwehr. "Ich hab in meinem Leben viel geschafft....über und unter der Erde" sagte er immer mit Stolz. So arbeitete er unter anderem in der Buntweberei Brennet, diente dem Baron von Schönau 25 Jahre als Holzmacher und in jungen Jahren grub er bei Krupp in Essen  Steinkohle. Damals hat er auch in den Kruppschen Werkstätten bei der Geburt der"Dicken Berta" (der Riesenkanone aus dem  ersten Weltkrieg) mitgewirkt, wie er  nicht ohne Stolz erzählte.
Seinen Militärdienst leistete er bei den 98ern in Metz. Dabei wäre er fast noch nach China gekommen um bei der Niederwerfung des  "Boxeraufstands" (1900/01) mitzuhelfen. 2 Zentimeter fehlten im da an Körpergrösse...Der Schneckekarle liebte seine Freiheit und  nahm auch nie ein Blatt vor den Mund. Dies brachte Ihn auch mehrmals mit der Obrigkeit in Konflikt. Während den unruhigen Zeiten nach dem  ersten Weltkrieg wurde er auch schon von der Schupo in  Gewahrsam genommen und  die Machthaber des  "Dritten Reichs" hielten  ihn nicht ohne Grund für einen Gegner des  Regimes. Als kleiner Junge verbrachte ich  viel Zeit mit Ihm und wenn er zu mir sagte:
"Komm wir gehen  Milch holen" dann hieß das wir machen einen  Spaziergang zum Waldrand wo ich dann mit  Ihm auf einer Bank sitzend seinen1 Geschichten zu hörte. Ich verstand damals nicht viel aber eins habe ich mir gemerkt. " Vor den "Oberen" sollte man sich immer in acht nehmen aber man braucht sich nicht alles  gefallen zu lassen....."
Nach einem Zwist mit seinen Geschwistern war  Er auf die Anhöhe am Waldrand oberhalb von Wehr gezogen und hatte sich dort ein kleines Häuschen gebaut. Den Behörden war dies nicht  sehr genehm sie liessen Ihn jedoch gewehren. Dort lebte er mit seinen Geissen und dem Schäferhund Peter. Er war Selbstversorger. Wasser holte er von einer kleinen Quelle in einem näheren Waldstück wo er auch auf einer Waldwiese Gemüse und Kartoffeln anbaute.Er versuchte sich sogar im  Züchten von Weinbergschnecken was Ihm auch den Namen Schneckenkarle  einbrachte. In späteren Jahren zog meine Urgoßmutter zu Ihm und machte ihm den Haushalt.
Immerwieder kehrten Wanderer bei den beiden ein um zu rasten und ein Schwätzchen zu halten. Daraus entwickelte sich ein reger Betrieb und es waren nicht selten mehrere Tische draussen besetzt.Mit den Jahren wurden beide älter und konnten sich schliesslich nichtmehr selbst versorgen. Ich lebte damals als 3 jähriger mit meinen Eltern , meinem Bruder und unserer Oma in Wehr. Meine Eltern wollten sich um die beiden kümmern aber dies sollte in Ihrem gewohnten Umfeld geschehen. Sie sollten nicht in ein Heim. Ich weiss nicht wie... aber mit viel Mühe und trotz erheblichen behördlichen Hindernissen schafften Sie es und nach zwei Jahren Bauzeit mit viel Eigenarbeit war aus der kleinen Hütte ,mehr war es ja nicht, ein kleines Haus geworden in den wir alle zusammen Platz fanden

.Es wurde ein kleines Wirtschäftle eingerichtet. Von nun an gab es für die Gäste verschiedene Getränke und auch kleine Vesper wie Landjäger, Speck oder Wurstbrot wurden angeboten. Das Waldstüble war enstanden. Übrigens  Waldstüble desshalb weil dem Schneckenkarle das alles etwas zu gross wurde und er meinte:"Macht Ihr ruhig eure Wirtschaft aber bitte lasst mich und meinen Namen dabei heraus. Aber insgeheim  freute er sich schon darüber was enstanden war. Die beiden alten Leute verbrachten  noch einige schöne  Jahre  im Kreis unserer Familie. Zuerst starb unsere Uroma und 1969 im Alter von 92 Jahren starb Karl Gallmann.
Das Waldstüble entwickelte sich trotz schwieriger Zeiten weiter. Es war nicht einfach. In den ersten Jahren wurde das Wasser in der eigenen Quelle gefasst und aufbereitet. Strom lieferte ein Stromgenerator der nur  abends für ein paar Stunden lief. Erst mit den Jahren wurden wir dann an die Wasserversorgung angeschlossen und durch den Ausbau des Meierhofs als Wohnbaugebiet konnten wir dann später auch den Strom von dort beziehen. Die ganze Erschliessung auf eigene Kosten. Ich weiss nicht wie meine Eltern das geschafft haben aber ich bin Ihnen heute noch dafür dankbar. Schliesslich mussten Sie bei all den Schwierigkeiten auch noch drei Söhne grossziehen. Ich entschloss mich 1978 Koch zu lernen. Walter Haas seines Zeichens Botschafter der deutschen Küche und Leibkoch des damaligen Bundespresidenten war mein Lehrmeister. Bei Ihm und seinem Sohn Uli im berühmten Landgasthof Waidhof  bei Lörrach bekam ich das Rüstzeug und verdiente die ersten Sporen. Nach der Bundeswehr folgten einige längere Aufenthalte im In- und Ausland. 1986...meine Eltern waren gesundheitlich angeschlagen und ich stand vor einem Engagement als Küchenchef in einem grossen Hotel in Paris. Es war klar dass ich irgendwann einmal den Betrieb daheim übernehmen wollte und der Zeitpunkt schien nun gekommen. Ich sagte Paris ab und begann mit der Planung aus dem kleinen Waldstüble ein grösseres und  damit das Speiserestaurant Waldstüble zu machen. Am 1. Mai 1987 war die Eröffnung und seit dieser Zeit  betreiben wir das Restaurant  mit wachsendem Erfolg. 1996 heiratete ich meine Frau Viktoria die ich in der Bäckerei Albietz kennengelernt hatte wo  Sie als Bäckereifachverkäuferin arbeitete. Wir haben zwei Söhne... Edgar der ältere ist auch Koch und mit mir für die Küche verantwortlich...Thomas der  jüngere hat inzwischen seine Ausbildung zum Koch hervorragend beendet  und wird noch einige Zeit in verschiedene Betriebe  hineinschnuppern  um mich dann in einigen Jahren abzulösen.......
Und so kann auch in der Zukunft die Geschichte des Waldstüble weitergeschrieben werden.....


Hans-Peter Kikillus
(Inhaber u. Küchenchef)

 
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